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Es gab für Ihn und Uns
nur diesen einen Weg

Von Anke Feld

Kürzlich wurde eine Diskussionsrunde auf „HR 3“ gesendet. Der Beitrag hieß „Stadtgespräch“. Leider kam ich zu spät, so dass ich den Vorspann nicht sehen konnte. Ich hörte nur den Namen „Dominik“ und bekam noch mit, dass die SPD-Politikerin Gudrun Schaich-Walch sagte, was mit Dominik passiert ist, sei kriminell. Man hätte versuchen sollen, den Eltern das Sorgerecht zu entziehen.

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Ich war entsetzt. Immer noch trifft es mich wie ein Schlag, wenn ich so etwas höre. Und mutig – „nein“, sagte die Frau, „mutig sei das nicht, was diese Eltern getan hätten“.

Sie haben recht, liebe Frau Schaich-Walch. Es war Liebe, Liebe zu unserem Kind, das durch eine Chemo-Therapie schon fast zu Tode gekommen war. Deshalb haben wir uns entschieden -bei dieser Horror-Statistik an Überlebenschancen (15 Prozent im Zeitraum von 5 Jahren und 7,5 Prozent innerhalb von 10 Jahren mit eingeschränkter Lebensqualität (Charité Berlin) – unserem Kind zu helfen. Wir sahen es als Pflicht – nicht nur als Recht – an, unserem Sohn die bestmögliche Behandlungform zu gewährleisten. Besonders, als wir nach nochmaligem Abwägen zwischen Chemotherapie und anderen Behandlungsmöglichkeiten einsehen mussten, dass Chemotherapie nur einen „experimentellen Charakter“ besitzt, wie es der Bundesgerichtshof 1993 entschieden hat.

Dabei wird immer lauthals gefordert, dass nur diejenigen schulmedizinischen Behandlungsmethoden bei Kindern zum Einsatz kommen dürfen, deren Wirksamkeit bewiesen sei. Doch bei Dominik wurden in der Chemotherapie Medikamente eingesetzt, die noch nicht zugelassen waren und deren Nebenwirkungen niemand kannte. Man bedenke: Bereits die Verabreichung von zugelassenen Medikamenten ist „kriminell“, um den Begriff zu gebrauchen, den Frau Schaich-Walch uns gegenüber benutzte – da sie praktisch keinen Nutzen haben, aber Schaden ohne Ende anrichten bis hin zu neuen Krebserkrankungen oder gar bis zum Tode.

Wie wird es denn gehandhabt mit Kindern, die genau nach Chemo-Methode behandelt werden, aber trotzdem „rezidiv“ (Krankheits-Rückfall) werden? Ich kann es Ihnen sagen: Der Arzt sagt den Eltern „von oben herab“: „Wollen Sie noch etwas machen? Hatte ich Ihnen Heilung versprochen? Außerdem kannten Sie ja die Risiken, es war einen Versuch wert“. So geschehen in Münster. Sie nennen es einen Versuch – also hat die Behandlung nur experimentellen Charakter. Die Ärzte sind abgesichert, sie haben ja vor Behandlungsbeginn einen Freifahrtschein mit Unterschrift erhalten. Und es regt sich keiner auf, weil das ja zum Standard gehört. Außerdem wird der Tod bereits mit ein kalkuliert, wenn es heißt „auf fünf Jahre hin“ gesehen. Was Profit bringt, wird niemals abgeschafft. Im letzten Jahr wurden 1,8 Milliarden Euro an der „Chemo“ verdient – und wie vielen Menschen konnte tatsächlich geholfen werden?

Dominik sagte zu mir: „Du hast versprochen, mir zu helfen, dabei macht mich die Chemo kaputt.“ Und so entschlossen wir uns, unserem Sohn weitere Experimente mit den Chemo-Giften zu ersparen. Mit Folgeschäden hatte er bereits zu kämpfen. Magen und Darm waren stark angegriffen, er hatte ständig Kopfschmerzen. Wir wollten unserem Sohn Lebensqualität und Gesundheit zurück geben.

Als mein Mann Josef und ich der Kinderabteilung der Uniklinik Münster, in der Dominik behandelt wurde, mitteilten, das wir die „Chemo“ abbrechen wollten, taten sie alles, um uns von der Therapie zu überzeugen. 14 Zyklen hatte er bereits bekommen, ohne dass eine Besserung eingetreten wäre. Drei sollte er ursprünglich noch erhalten. Ich sagte: „Nun gut, wenn Sie mir schriftlich geben, dass Dominik mit der Chemo höhere Chancen hat, nicht mehr rezidiv zu werden.“ Daraufhin wurden wir entsetzt angesehen und bekamen zu hören: „Das können wir nicht“. Also hatten wir eine Entscheidung zu treffen, da die Ärzte nicht bereit waren, zu ihrer so gepriesenen Chemo-Therapie zu stehen.

Unser Fazit lautet, dass jeder ein Individuum ist und die freie Wahl haben sollte, seinen Therapieweg mit guten alternativen Medizinern gemeinsam zu wählen, wie auch wir es getan haben. Dominik wäre gesund geworden - er war ja bereits auf dem besten Weg – wenn ihm die Schulmedizin eine Chance gegeben hätte. Aber das durfte nicht sein. Dominik hat das selbst klar erkannt – und das mit neuneinhalb Jahren. Welcher Schmerz klang aus seinen Worten. „Die wollen mir nicht helfen. Ich muss hier weg. Du musst mich heute hier raus holen“, sagte Dominik am letzten Sonntag im August 2004 (Er lag im DRK-Klinikum Kirchen, in der Nähe seines Heimatortes). Morgen geht es nicht mehr. Ich will heim.

Er wusste mehr als wir. Er hat immer alles klar erkannt. Und Dominik hatte recht. Als wir ihn montags nach Hause holen wollten, hatten wir kein Sorgerecht mehr. Entzogen auf Betreiben des Kirchener Chefarztes Dr. Buchal, den Dominik fürchtete.

Der Junge hat in den letzten Monaten in seinem Heimatland soviel Schlimmes erlebt, dass er selbst sagte: „Ich muss in ein anderes Land, bitte Mama, glaube mir.“ Wir hätten sofort auf ihn hören und nicht eine neue – wenn auch alternative – Klinik in Deutschland suchen sollen. Ich hatte noch etwas Vertrauen, Dominik nicht. Er war noch keine drei Tage in der „Villa Medica“, als er sagte, „Hier werde ich auch nicht gesund. Wir müssen weg.“ Das ist das einzige, was ich mir vorwerfen muss, ist, nicht mehr auf ihn gehört zu haben. Und so blieben wir über zwei Wochen dort, bis der Arzt Dr. Aschhoff sich weigerte, Dominik weiter zu behandeln. Nach pathologischen Befunden – keine Malignität in der Lunge – und auch nach einem Gespräch mit dem Arzt – „Ich weiß nicht, was das in der Lunge ist. Ich habe so etwas noch nicht gesehen – gingen wir nicht von einem Tumor aus. Doch Tage später wolle Dr. Aschhoff uns einen Tumor glauben machen. Wer hat ihn beeinflusst? Weil wir um das Leben des Kindes kämpften, wurden wir rausgeworfen.

Doch endlich hörten wir auf Dominik und ließen Deutschland hinter uns. Die Ärzte des „Oasis of Hope“ – Hospitals in Mexiko waren entsetzt, wie heruntergekommen Dominiks Gesundheitszustand war und sie sagten: Wäre er in Deutschland richtig alternativ behandelt worden – Chemo hilft bei Knochenkrebs nicht – könnte er heute wieder gesund sein. Sie gaben zu, es sei ein schwerer Fall, aber sie würden alles menschenmögliche tun. Das Hospital war auf das Modernste eingerichtet. Dominik zeigte sich als geduldiger Patient. Er verhielt sich vorbildlich. Die Ärzte bewunderten ihn und kamen gerne zu ihm. Auch Mitpatienten mochten ihn und sagten nachher: „Wir sind Gott dankbar für dieses Kind. Wissen Sie eigentlich, was Sie für ein Kind haben?“

Ja, besonders jetzt weiß ich, dass ich viel gelernt habe von diesem Kind und dankbar bin, seine Mutter gewesen zu sein. Dominik sagte immer wieder: „Es ist etwas in der Lunge, aber es ist kein Tumor. Bitte, du musst es sagen. Glaube mir!“

Als der Beweis dann erbracht war, war Dominiks Herz stark geschwächt. Darüber hinaus hatte er Angst davor, nach Deutschland zurück zu kehren. „Wer hilft mir da, wenn ich krank werde?“ Drei Pathologen in Mexiko hatten ebenfalls – wie es in Deutschland bereits geschehen war – festgestellt, dass keinerlei Malignität in Dominiks Lunge nachweisbar war.

Mein Sohn wäre liebend gerne nach Hause zu seinem Papa und seinen Geschwistern gegangen. Das wollte er ja schon, als er noch in Deutschland war. Wir hätten einen Heilpraktiker gehabt, der ihn betreut hätte. Aber wir hätten auch einen Arzt gebraucht. Doch keiner war bereit, Dominik zu Hause zu betreuen. Für die Mediziner kam nur ein Hospiz in Frage.

Um Dominik zu schützen und seinen Wünschen wenigstens ein klein wenig nachzukommen, gab es für ihn und uns nur diesen Weg.

Die einzige Möglichkeit, die Wahrheit zu schreiben, ist unsere Internet-Seite. Keine Medien – weder das Fernsehen, der Rundfunk noch die Zeitung sind dazu bereit.

Ich wünsche mir, dass die Menschen den Mut finden, wieder selbst zu denken und sich nicht von den Medien einreden zu lassen, was „Recht und Unrecht“ ist.

Wir müssen uns ein Leben lang weiter bilden – dass sind wir unseren Kindern schuldig.

Anke Feld

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Weitere Informationen:
>> Lesen Sie auch die Stellungnahme von Dominiks Eltern (08.11.04)
>> Lesen Sie auch die Stellungnahme des begleitenden Facharztes (08.11.04)